Coronakrise: Einlagenvolumen europäischer Banken steigt in Rekordtempo

  • Das Einlagenvolumen in der Eurozone stieg im dritten Quartal 2020 um 82 Milliarden Euro – historischer Höchstwert
  • Über 80% des zusätzlichen Geldes entfällt auf deutsche, französische und italienische Banken
  • Tim Sievers: „Banken müssen die Entwicklung zu einem europäischen Einlagenmarkt selbst mit vorantreiben“

Hamburg, 04. Dezember 2020. Das Volumen an Privatkundeneinlagen bei den Eurozone-Banken ist in den ersten drei Quartalen 2020 so schnell gestiegen wie nie zuvor. Dies zeigen die Ergebnisse einer heute erschienenen Analyse des FinTech-Unternehmens Deposit Solutions auf Basis von Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach haben die Bürger der Eurozone-Länder zwischen Januar und September 2020 ingesamt 400 Milliarden Euro mehr auf ihre Bankkonten eingezahlt als abgehoben. Die Summe der diesjährigen Netto-Einzahlungen liegt damit bereits jetzt über dem Gesamtjahr 2019 (396 Milliarden Euro).

Das meiste Geld landete mit rund 29 Milliarden Euro auf deutschen Konten. Dies entspricht 36 Prozent der gesamten Netto-Einzahlungen in der Eurozone. Dahinter folgen Frankreich mit rund 24 Milliarden Euro (29 Prozent) und Italien mit rund 15 Milliarden Euro (19 Prozent). Das Einlagenvolumen in diesen drei Ländern wächst damit überproportional stark: Sie repräsentieren 65 Prozent des Einlagenmarkts der Eurozone, zeichnen jedoch für 83 Prozent der diesjährigen Netto-Einzahlungen verantwortlich.

„In Folge der Coronakrise halten die Menschen in ganz Europa mehr Geld auf ihren Konten – doch nicht überall in gleichem Maße. Stattdessen werden die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern eher größer: In Deutschland, Frankreich und Italien wächst das Einlagenvolumen in Relation zur Größe des Markts schneller, in Ländern wie Spanien, Portugal oder Belgien hingegen langsamer oder gar nicht.“, sagt Dr. Tim Sievers, CEO und Gründer von Deposit Solutions.

Für die Banken in der Eurozone sind damit laut Deposit Solutions unterschiedliche Herausforderungen verbunden: „Ein hohes Einlagenwachstum im Heimatmarkt kann problematisch sein für Banken, die bereits Einlagenüberschüsse haben. Denn deponieren die Kunden noch mehr Geld auf ihren Konten, treibt das die Negativzinsbelastung dieser Banken nach oben“, so Tim Sievers. „Auf der anderen Seite verfügen Banken in anderen Ländern, die sich gezielt mit Privatkundeneinlagen finanzieren möchten, häufig nur über nationale Reichweite für ihre Einlagenprodukte. Sie können damit nicht aus eigener Kraft von der höheren Nachfrage an Spareinlagenprodukten in anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, profitieren.“

Eine effektive Lösungsstrategie liegt in einer engeren Zusammenarbeit der europäischen Banken: „Die Banken müssen die Entwicklung zu einem europäischen Einlagenmarkt selbst mit vorantreiben und sich im Einlagengeschäft miteinander vernetzen. Die hierfür notwendige Infrastruktur stellen wir als FinTech-Unternehmen bereit.“

Aktuelles Beispiel einer solchen paneuropäischen Zusammenarbeit im Einlagenmarkt ist die Vernetzung der Deutschen Bank mit der österreichischen Addiko Bank über die Plattform von Deposit Solutions. So können Kunden der Deutschen Bank seit Kurzem über den hauseigenen Online-Zinsmarkt auch Festgeldprodukte des österreichischen Instituts nutzen. Gerade Deutschland ist dabei für viele Banken ein attraktiver Markt, um Privatkundeneinlagen einzusammeln. Rund 30 Prozent der gesamten Kundeneinlagen der Eurozone (2,5 Billionen Euro) liegen bei den hiesigen Banken.

Für eine grundlegende Veränderung im Sparverhalten der Europäer gibt es hingegen laut der Analyse von Deposit Solutions keine Hinweise. So gleicht die Dynamik im Einlagenmarkt im Verlauf des Corona-Jahres 2020 jener der Vorjahre – wenn auch auf deutlich höherem Niveau: Die Netto-Einzahlungen nehmen vom ersten auf das zweite Quartal zu, sinken dann stark im dritten Quartal und steigen im vierten Quartal wieder an.

„Es ist ein wichtiges Merkmal des Einlagenmarkts, dass er auch bei einschneidenden externen Ereignissen eine stabile und gut vorhersehbare Finanzierungssäule bleibt. Das hat auch die Coronakrise 2020 wieder bewiesen“, sagt Tim Sievers.

Über die Analyse

Grundlage der Publikation „Eurozone Deposit Spotlight. Q1-3/2020“ sind aggregierte Daten der Europäischen Zentralbank, dem Statistischen Bundesamt, Eurostat sowie Barkow Consulting. Das Einlagenvolumen bezieht sich Bankeinlagen von Haushalten der Eurozone.

Hier zum Download der Studie
Eurozone Deposit Spotlight
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Über Deposit Solutions:

Deposit Solutions ist ein weltweit anerkanntes FinTech-Unternehmen, das die erste Open-Banking-Plattform für Spareinlagen betreibt. Mit seiner Technologie hat das Unternehmen eine neue Infrastruktur für den weltweit 50 Billionen US-Dollar großen Einlagenmarkt entwickelt, von der Banken ebenso wie Anleger profitieren. Deposit Solutions hat auf zwei Kontinenten bereits mehr als 150 Banken aus über 20 Ländern an seine Plattform angeschlossen. Zusätzlich vermarktet das Unternehmen über seine Tochtergesellschaften ZINSPILOT, Savedo und SaveBetter ausgewählte Einlagenprodukte seiner Partnerbanken direkt an Sparer in Europa und den USA. Deposit Solutions wurde 2011 von Dr. Tim Sievers gegründet und hat neben seinem Hauptsitz in Hamburg Büros in Berlin, London, Zürich und New York. Zu den Gesellschaftern des Unternehmens gehören führende Tech-Investoren wie e.ventures, Vitruvian Partners, Greycroft, FinLab, Kinnevik, Peter Thiel, Top Tier Capital Partners, der Angel Investor Stefan Wiskemann sowie die Deutsche Bank AG. Weitere Informationen finden Sie unter: www.deposit-solutions.com

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