Wie Zinsplattformen das Sparverhalten der Deutschen verändern


Analyse von Deposit Solutions zu Sparguthaben und -konten in Deutschland: Giro-Guthaben auf Rekordhoch, Nutzung von Tagesgeld und Festgeld auf Zinsplattformen besonders intensiv

12%


Wachstum pro Jahr: Giro-Guthaben in Deutschland auf Rekordhoch

5,5%


mehr Sparvolumen im Tagesgeld trotz Niedrigzinsen im Jahr 2018

-3%


Anzahl der Tagesgeld-konten in Deutschland nimmt erstmals ab

2,3%


Tages- und Festgeld-angebote nehmen Nutzer von Zinsplatt-formen durch-schnittlich in Anspruch, Kontonutzer nur 1,5

Die Deutschen sammeln immer mehr Geld auf ihren Giro- und Tagesgeldkonten an. Das Giroguthaben hat sich seit dem Jahr 2011 auf insgesamt 890 Milliarden Euro fast verdoppelt. Voraussichtlich im Dezember 2019 wird die Grenze von 1 Billion Euro fallen. Auch das Guthaben auf deutschen Tagesgeldkonten steigt trotz der anhaltenden Niedrigzinsen deutlich. Zwischen 2011 und 2018 belief sich der Zuwachs auf insgesamt 40 Prozent. Gleichzeitig ist im Jahr 2018 zum ersten Mal die Anzahl der Tagesgeldkonten leicht zurückgegangen.

Die Auswertung des Anlageverhaltens von 80.000 Nutzern von Zinsplattformen zeigt, dass die Deutschen Tages- und Festgeld intensiver nutzen, sobald der Aufwand für zusätzliche Kontoeröffnungen entfällt: Im Jahr 2018 haben Kunden von Zinsplattformen ihr Geld im Schnitt in 2,3 Tages- und Festgeldangeboten gleichzeitig angelegt. Dem gegenüber stehen lediglich 1,5 Tages- und Festgeldangebote, die deutsche Sparer nutzen, wenn sie die Konten selbst eröffnen und führen müssen. Auch beim Sparvolumen gibt es deutliche Unterschiede. Nutzer von Zinsplattformen haben im Jahr 2018 rund 57.400 Euro pro Kopf über Zinsplattformen angelegt; Nutzer von Tagesgeld- oder Festgeldkonten hingegen nur 21.000 Euro.

1. Giro- und Tagesgeldguthaben in Deutschland steigen


Giroguthaben verzeichnen mit durchschnittlichen 12 Prozent jährlichem Wachstum in den vergangenen fünf Jahren den höchsten Einlagenzuwachs unter allen Kontoarten. Seit 2012 hat sich das Pro-Kopf-Guthaben auf deutschen Girokonten von 6.300 Euro auf 12.400 Euro fast verdoppelt. Ende 2019 dürfte das Gesamtguthaben auf deutschen Girokonten erstmals die Schwelle von 1 Billion Euro überschreiten.

Auch das Guthaben auf deutschen Tagesgeldkonten steigt trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase deutlich. Zwischen 2011 und 2018 belief sich der Zuwachs auf insgesamt 40 Prozent.


2. Volumen im Tagesgeld steigt, Kontonutzung sinkt jedoch erstmals


Mit einem Plus von 5,5 Prozent stieg im Jahr 2018 das Sparvolumen im Tagesgeld deutlich. Gleichzeitig wurden hierfür jedoch weniger Konten genutzt. Zum ersten Mal überhaupt war die Zahl der Tagesgeldkonten in Deutschland rückläufig (-3% gegenüber dem Vorjahr).


3. Nutzer von Zinsplattformen sparen intensiver in Tages- und Festgeld als Kontonutzer


Tages- und Festgelder können heute per Kontoeröffnung oder über Zinsplattformen genutzt werden. Der Vergleich zwischen beiden Nutzergruppen bringt deutliche Unterschiede zutage: Kunden von Zinsplattformen können Tagesgeld und Festgeld einfacher nutzen und legen ihr Geld daher auch in einer höheren Anzahl unterschiedlicher Produkte gleichzeitig an (Konto: 1,5; Plattform: 2,3). Zudem legen Nutzer von Zinsplattformen deutlich höhere Beträge in Tages- und Festgeld an als Kontonutzer (Konto: 21.000 Euro; Plattform: 57.000 Euro).


4. Nutzer von Zinsplattformen diversifizieren und bauen Sparportfolios auf, Kontonutzer nicht


Kunden von Zinsplattformen starten im Schnitt mit 1,1 bis 1,3 verschiedenen Tages- und Festgeldprodukten. Nach 18 Monaten verdoppelt sich dieser Wert bereits auf durchschnittlich 1,8 bis 2,9 Produkte. Nach 44 Monaten nutzt die Spitzengruppe der Plattformsparer bereits 6,8 Produkte und selbst die Geringnutzer von Zinsplattformen haben ihr Geld im Schnitt auf über 4 verschiedene Tages- oder Festgeldprodukte gestreut.

Tages- und Festgeldsparer, die konventionelle Konten nutzen, führten im Jahr 2018 im Schnitt hingegen lediglich 1,52 Konten.

Zinsplattformen lösen ein zentrales Problem für Kunden und Banken


„Nutzer von Zinsplattformen bauen über die Zeit gezielt Sparportfolios auf. Dies beobachten wir unabhängig davon, ob der Marktplatz von einer Bank oder einem FinTech angeboten wird. Banken, die eine eigene Zinsplattform betreiben, lösen damit ein zentrales Problem für ihre Kunden. Statt ihr Geld unverzinst auf dem Girokonto zu lassen oder gar zu einer anderen Bank gehen zu müssen, erhalten die Kunden über die bestehende Kontoverbindung Zugang zu attraktiv verzinsten Tages- und Festgeldprodukten anderer Banken. Die Hausbank selbst erzielt Provisionserlöse und tut darüber hinaus etwas für die Kundenbindung. So entsteht eine Win-win-Situation.“

Dr. Tim Sievers, CEO und Gründer von Deposit Solutions